5 Antworten :: Social Media & lokales Business

Social Media und lokales Business :: Dirk SpannausAm vergangenen Montag fand international der Foursquare Day 2012 statt: Begeisterte Smartphone-Enthusiasten trafen sich zum Austausch über mobile Apps, die standort-bezogene Informationen bieten. So genannte SoLoMo Anwendungen, die soziale, ortsbezogene und mobile Komponenten vereinen. Wie können lokale Geschäfte wie Ladenbesitzer, Kultureinrichtungen oder Gastronomen von diesen neuen Diensten profitieren?

Dazu befragte ich Dirk Spannaus, den ich auf den MobileMonday-Veranstaltungen in München kennen lernte. Er ist Gründer eines Startups, das lokalen Geschäftsbetreibern hilft, mit vertretbarem Aufwand Marketing- und Kundenbindungs-Optionen durch mobile Apps auszunutzen. Zudem unterstützt er aktiv Organisation und Kommunikation rund um das MobileCamp Dresden – das größte Barcamp zu mobilen Themen im deutschsprachigen Raum.

“Ortsbezogene Dienste ersetzen für viele Smartphone Besitzer das klassische Telefonbuch.”
Dirk Spannaus, on2off

:1: Was haben Location Based Services wie Foursquare oder Google Places mit lokalen Geschäften oder Cafés zu tun?

Ortsbezogene Dienste stellen Informationen zur näheren Umgebung bereit. Das ist insbesondere interessant für Nutzer, die in der näheren Nachbarschaft zu einem Geschäft oder Café unterwegs sind – die moderne Laufkundschaft also. Darunter fallen Touristen, die mobile Dienste meist viel häufiger als Einheimische nutzen. Aber auch diese kennen sich nicht in allen Teilen einer Stadt gleichermaßen gut aus. Gerade dann, wenn sie in der Stadt nicht aufgewachsen sind.

Ortsbezogene Dienste ersetzen für viele Smartphone Besitzer das klassische Telefonbuch. Für Geschäfte und Cafés stellen die Dienste eine Art virtuelles Schaufenster dar und vergrößert so die erreichbare Anzahl an Interessenten.KLICK zur Bildvergößerung :: Beispiel Cafe Puck :: foursquare

:2: Wie helfen diese Dienste dabei, nachhaltig die Kundenbindung zu stärken?

Neben der Neukundengewinnung ermöglichen es diese Dienste auch die Beziehung zu den Stammkunden zu stärken. Oft genug kennen Geschäfte ihre besten Kunden nicht, da sie von unterschiedlichen Mitarbeitern bedient wurden. Die Kundenbindung kann mit einigen Location Based Services spielerisch erfolgen – viele Nutzer motiviert allein schon der Spiel & Spaß Faktor.

Darüber hinaus bieten Belohnungen in der realen Welt zusätzliche Anreize, regelmäßig bei seinem Lieblingsrestaurant vorbeizuschauen. Ganz klassisch funktioniert das beispielsweise mit der digitalisierten Stempelkarte, wie sie das Münchner Startup 10Stamps anbietet.

Dirk Spannaus

Kurzportrait Dirk Spannaus
Dirk Spannaus ist einer der Gründer des Münchner Startup on2off.de – online 2 offline commerce. Durch die intelligente Vernetzung verschiedener Webdienste unterstützt die on2off-Plattform lokal ansässige Unternehmer bei der täglichen Online Kommunikation. Zuvor war der Wirtschaftsinformatiker unter anderem bei IBM Interactive – der digitalen Agentur der IBM – als Berater zur Konzeption von Mobilen Angeboten und dem Einsatz von Social Diensten für Unternehmen tätig. Nach einem Zwischenstopp in Stuttgart lebt der gebürtige Dresdner derzeit in München und engagiert sich für das MobileCamp Dresden.
Dirk Spannaus, on2off / @dirk_s

:3: Welche Optionen haben lokale Geschäfte durch (mobile) Social Media für ihre Kommunikation?

Dieser Punkt wird oft auch als mögliche Gefahr betrachtet. Was passiert, wenn ein Kunde schlecht über mich schreibt und alle anderen es lesen können? Es gibt da eine ganz einfache Antwort: Es gibt schon heute keine Kontrolle mehr. Kunden schreiben einfach über ihre Erfahrungen – positive und auch negative. Dabei sind die ortsbezogenen Dienste und ihre Communities nicht auf die Teilnahme der lokalen Geschäfte angewiesen.

Sehen wir es von der Chancenseite: Diese Dienste sind ein hervorragendes Mittel um zu erfahren, was Kunden wirklich über den angebotenen Service denken. Kunden empfehlen ihre Lieblingsgerichte und stellen sogar eigene Fotos von dem Ort und seinen Angeboten ein. Jedes Checkin der Kunden wird zudem noch von anderen Nutzern ihres Kontaktnetzwerks gesehen. Das kann anregen, mehr über diesen Platz zu erfahren.

“Kunden schreiben einfach über ihre Erfahrungen – positive und auch negative. Dabei sind die ortsbezogenen Dienste und ihre Communities nicht auf die Teilnahme der lokalen Geschäfte angewiesen.”
Dirk Spannaus, on2off

Geht mal etwas schief, erfahren Anbieter dies sehr schnell und haben die Gelegenheit, darauf zu reagieren. Fehler passieren überall einmal. Darauf zu reagieren und die Fehler abzustellen wird von Kunden als souverän wahrgenommen und akzeptiert. Ich kann nur jedem Inhaber empfehlen, unbedingt mal das eigene Geschäft in den unterschiedlichen Diensten nachzuschlagen und sich überraschen zu lassen. ;)

:4: Welche Dienste sind für beispielhafte Branchen aktuell am wichtigsten? Wo siehst du in der Zukunft die wesentlichsten Plattformen?

Schwierig – die Dienste machen es den Unternehmern heute echt nicht einfach. Für uns Kunden existiert aktuell eine reichhaltige Auswahl an individuellen Webdiensten. Und jeden Tag kommen noch weitere junge innovative Dienstanbieter dazu.

Leider funktionieren aber fast alle Dienste isoliert voneinander und buhlen um die Aufmerksamkeit der Nutzer und Unternehmen. Ein Mix an wichtigen Diensten bedeutet dann einen entsprechenden wiederholten Einrichtungs- und Pflegeaufwand für Shops oder Cafés. Und das bei der chronisch verbreiteten Zeitknappheit im Geschäftsalltag.

Lokal ansässige Unternehmen mit Laufkundschaft sollten daher Dienste bevorzugen, die von vielen Kunden genutzt werden:

  • Kartendienste – allen voran Google Places, denn die Google Maps sind auf vielen mobilen Plattformen verfügbar
  • Social Networks – ganz klar Facebook, es ist einfach das am meisten genutzte Netzwerk
  • Empfehlungsplattformen – da ist der lokale Platzhirsch sicherlich Qype
  • ggfs. spezialisierte Checkin Dienste – nach dem Aufkauf von Gowalla ist Foursquare vermutlich der bekannteste Anbieter für Checkins

Ortsbasierte Dienste sind derzeit aber noch kein Massenmarkt. Es gilt hier das Henne-Ei Problem zu lösen. Wer selbst Erfahrungen damit sammeln möchte, sollte ruhig auch mal ein Angebot einstellen.

Das muss übrigens nicht immer ein Mega Preisdiscount sein – Kunden schätzen kleine liebevolle Extras abseits gewöhnlicher Preisschlachten. Auf diese müssen Anbieter ihre Kunden auf jeden Fall aktiv hinweisen – per Aufkleber im Ladenfenster, an der Kasse oder Theke.

“Kunden schätzen kleine liebevolle Extras abseits gewöhnlicher Preisschlachten.”
Dirk Spannaus, on2off

:5: Was ist Deine liebste Location Based Services App?

Da möchte ich gern zwei Dienste nennen.

  • Yelp begeistert mich mit dem ausgefuchsten spielerischen Ansatz und dem aktiven Community ManagementIn der Erfolgshierarchie startet der Yelp Nutzer als “Herzog/in” eines lokalen Geschäfts für die meisten Checkins (ähnlich dem Mayor Titel bei Foursquare). Allerdings geht es dann noch weiter mit dem Titel “Baron/ess” für den- oder diejenige, die die meisten Herzogtümer in einem Stadtteil errungen hat, bzw. dem Titel “König/in” für den aktivsten Yelp! Nutzer der Stadt. Das hat was von Monopoly im Alltag. ;) Sicher schmunzeln jetzt einige Leser – aber wir sollten unseren Alltag auch nicht immer zu ernst erleben.
  • Foursquare begeistert mich mit der erst kürzlich gestarteten neuen “Explore”-FunktionDieser Dienst bietet mir Empfehlungen passend zu meinem Ort, der Tageszeit und meiner Suche. Dabei werden sowohl meine eigenen Aktivitäten als auch die meiner Freunde und anderer Nutzer bei Foursquare ausgewertet. Da gibt es dann für mich doch überraschende neue Erlebnisse – selbst in der Stadt in der ich schon seit Jahren lebe.

Vielen Dank für den Einblick – und wie immer lernt man in einem Gespräch was Neues: Bei mir waren die Yelp-Belohnungen noch gar nicht auf dem Radar :)

Logo :: Mobile Camp

MobileCamp 2012
Für den Terminkalender: Das MobileCamp findet am 16./17. Juni 2012 zum vierten Mal in Dresden statt. Themen des letztjährigen Barcamp waren unter anderem Mobile Commerce, eReader, Augmented Reality, Cross-Platform-Entwicklung oder App Monetarisierung. Weitere Informationen:
barcampdresden.mixxt.de

Illustration: DoSchu.Com; Foto: Raimund Verspohl

Weitere Interviews der Serie:
„5 Antworten :: Social Media & …“ – Interview Serie im Blog

5 Feedbacks