Dialemma: Wertschätzung online

Dialemma - Dilemma DialogSchon mal drüber nachgedacht, liebe Social Media-NutzerInnen, wie traurig ihr manch ProduzentInnen von Inhalten stimmt? „Meine Beiträge haben eine hohe Reichweite, im direkten Gespräch erhalte ich positives Feedback – aber online wird das so wenig sichtbar“, verzweifeln manche Ratsuchende. Dabei habt ihr es in den Fingern, andere Menschen glücklich zu stimmen, sich gut zu fühlen, weil die Anstrengungen für andere nützlich sind.

Ja, es bedarf schon einer gewissen Anstrengung, regelmäßig ein Blog zu führen oder Videos zu produzieren, einen Podcast aufzunehmen. Das trifft sowohl für private als auch fachliche Inhalte zu. Es ist wunderbar, wenn die Online-Inhalte leicht wirken. Das macht vielleicht einige übersehen lassen, wie viel Zeit und Kraft von BlogautorInnen, Podcast- oder Video-EnthusiastInnen hinein gesteckt wurde. Ein Dialemma!

Um nur ein paar Aspekte anzuführen: ProduzentInnen müssen relevante Themen finden, Sachverhalte recherchieren, Gespräche führen, Quellen absichern. Dann kreativ werden, und die eigenen Kreationen selber kritisch hinterfragen, verständlicher machen, online-tauglich aufbereiten.

Und was möchten viele dafür? Eine Rückmeldung, dass die Mühe lohnenswert war, dass der Inhalt inspirierte, geholfen hat oder wenigstens unterhaltend war. Trotz langer Zeit von Social Media – nix mit Neuland und so – wird dieses Medium wie das altbekannte Berieselungs-Fernsehen verstanden. Statt Interaktion überwiegt Konsum. Ok, es sei denn, es geht um kontroverse Themen. Oder es kann sich über ein unangenehmes Erlebnis mit einer Marke beschwert werden.

„Ich mag es nicht extreme Positionen zu beziehen, das passt weder zu mir noch zu meiner Einstellung. Da ist mehr im Farbspektrum der Meinungen als nur Schwarz und Weiss“, höre ich auf meinen Vorschlag, Themen zuzuspitzen. Und ja, ich verstehe das sehr gut.

Warum erhalten manche zu ihren „normalen“ Beiträgen zum Beispiel in Blogs kaum Rückmeldungen?

Liegt es an der Couch Potatoe-Haltung im Social Web?

In Deutschland verfügen 84 Prozent der Bevölkerung über einen Internetzugang ergab die letzte ARD / ZDF Onlinestudie. Davon nutzen laut Faktenkontor-Erhebung 76 Prozent Social Media, aber nur wenige tun dies aktiv:

Nutzung Social Media aktiv und passiv

Für 2016 ermittelten die Marktforscher, dass hierzulande zwar 87 Prozent der Social Media-NutzerInnen auf Facebook unterwegs sind, aber nur 34 Prozent das Netzwerk aktiv nutzen. In der Befragungsauswertung wurde zusammengefasst, wenn Menschen auf Facebook eigene Beiträge (Texte, Fotos, Videos) verfassen oder Kommentare schreiben.

Beim Online-Video-Portal YouTube zeigte sich der konsumierende Ansatz noch deutlicher: 88 Prozent der Social Media-Nutzenden schauen hier herein. Gerade mal 14 Prozent betreiben eigene Profile oder kommentieren unter Videos.

Und obwohl es ist uns die Plattformen so einfach machen, bei Gefallen eine Rückmeldung zu geben, bleibt das Daumen hoch- oder Herzchen-Symbol ungeklickt.

In meinen Social Media Q&A-Events – übrigens kommenden Montag wieder zum monatlichen CoworkingMonday im Rayaworx – sind Facebook-Nutzende ganz überrascht, dass der Klick auf „gefällt mir“ im Räderwerk des Social Network dazu führt, ihnen künftig ähnliche Inhalte bevorzugt aus der Fülle der Facebook-Posts herauszufiltern. Und meist erst wenn sie selber zu aktiven Social Media-ProduzentInnen werden dämmert ihnen, wie selten sie anderen Aktiven ihre Wertschätzung spüren lassen. Ihnen rückmelden, dass deren Inhalt unterhaltend, relevant oder gar nützlich ist.

Liegt es am gefühlt zu unpersönlichem Kontakt online?

Bewertung virtueller Interaktionen mit Personen

Trotz digitaler Begleiter in unserem Alltag bevorzugen die in Deutschland lebenden Menschen den persönlichen Kontakt, so die GfK:

„Nur 13 Prozent der deutschen Onliner stimmen der Aussage ‚virtuelle Kontakte mit Menschen oder Orten können genauso gut sein wie persönliche Kontakte beziehungsweise tatsächlich vor Ort zu sein‘ zu, jeder Dritte widerspricht hier ausdrücklich.“
GfK / Statista

Besonders die im Ländervergleich herausragende Ablehnung, dass digitale Kontakte sehr persönlich sein können, lässt hier eine gewisse Distanziertheit erkennen.

Virtuelle Interaktion oniine

Tatsächlich erlebe ich oft, dass Online-Nutzende vergessen oder gar nicht daran denken, dass hinter vielen guten Inhalten im Web wiederum Menschen stehen, die diesen erstellt haben. Nehmen wir die Online-Enzyklopädie Wikipedia: Studierende zitieren ja sehr gerne daraus, und dann hake ich mal nach. Dass Wikipedia das lebende Ergebnis einer großen Gruppe von Menschen ist, die aus freien Stücken ihr Wissen aufschreiben und teilen, ist ihnen nicht bewusst. War ja schon immer in Digitalien per Suchmaschine auffindbar…

Mein Tipp: Wenn künftig Menschen nicht mehr unbedingt in eine andere Stadt oder ein anderes Land ziehen müssen, weil wir viele Aufgaben ortsunabhängig erledigen können – dann sind diejenigen im Vorteil, die national wie international ein Netzwerk digital pflegen können.

Oder sind wir schlichtweg zu bequem?

Dann bitte etwas Energie in die Finger geben, so schwer ist es nicht die Feedback-Buttons zu klicken… Eure Inhalte-Lieferanten haben es verdient.

Quellen zu den angesprochenen Studien und Abbildungen:

Doris Schuppe • Dieser Beitrag Dialemma: Wertschätzung online erschien zuerst im Blog DoSchu.Com

Foto: DoSchu / DoSchu.Com • Infografiken siehe GfK, Statista Links

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  • Cornelia Wiedemann schreibt am 17 Aug ’17 um 14:35

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    Ein wertvoller Artikel, vielen Dank. Es gibt zu denken, dass nicht einmal dieser Text über die Wertschätzung ein entsprechendes Feedback erhält.
    In diesem Zusammenhang habe ich mir Gedanken gemacht, ob einer der Gründe dafür nicht vielleicht in der zunehmenden Nutzung von mobilen Geräten zu finden ist? Ich selbst lese mittlerweile viel von unterwegs aus und aufgrund des eher mühsamen Tippens gibt es am Handy meist auch nicht mehr als einen Like oder ein Herzchen von mir. Das ist keinesfalls geringschätzend gemeint oder mit Desinteresse verbunden, aber es ist völlig klar, dass jeder Autor das Missverhältnis zwischen Seitenaufrufen und Nutzerfeedback anders interpretieren wird, das geht mir ja selbst ebenso…

  • Etwas Energie in die Finger geben – das trifft es auf den Punkt! Meine Generation ist definitiv von jahrzehntelangem Öffentlich-rechtlichem Fernsehkonsum geprägt. Womöglich ist das Format „Bildschirm“ der Schlüsselreiz für Passivität.
    Social Media (und digitaler Wandel) zu sehen, was man wahlweise konsumiert/erleidet ist das Eine. Dass wir Digitalien gestalten oder das anderen überlassen, ist eine Entscheidung. Jeden Tag viele verpasste Gelegenheiten – oder Chancen auf einen lebendiger, hochwertigen Austausch!
    Danke für dieses Statement im Artikel!

    • Sehr schön formuliert, dankeschön: „Ob wir Digitalien gestalten oder das anderen überlassen, ist eine Entscheidung“. Das passt auch zu dem beobachtbaren Trend, dass heute wie früher kaum jemand die digitalen Anwendungen selber programmieren möchte… Auf jeden Fall ein interessanter Aspekt mit dem Schlüsselreiz Bildschirm für Passivität. So hatte ich es noch nicht betrachtet, da für mich sehr andere Erlebniswelt: Monitor = aktiv werden, gestalten. Aber ach!

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