Beruflich und privat im Social Web

illustration doschu herzEine wichtige Diskussion aus Beratungen und Seminaren: Wie gehe ich mit der beruflichen und privaten Nutzung von Social Media um? „Auf Facebook bin ich ganz privat, Themen aus meinem Unternehmen vermeide ich.“ Eine wichtige Thematik für jede/n, die/der sich auch beruflich im Social Web bewegt.

Es gab in jeder der Seminargruppen an der Akademie der Bayerischen Presse oder in der Beratung dieses Thema. Spätestens wenn es darum geht, wie oder ob Menschen in der Belegschaft zu Markenbotschafter werden sollen. Genauso stoße ich immer wieder auf das Spannungsfeld Privat- und Berufsleben im Rahmen der Diskussionen um Coworking, Digital Nomads und der Zukunft der Arbeit.

Kurzer Hinweis: In den meisten Fällen im Seminar-Umfeld weist die Frage darauf hin, die Social Media-Plattformen noch besser kennenzulernen. Wer beispielsweise im beliebten Social Network Facebook die Listen nicht kennt, sollte hier nacharbeiten. Mit den Facebook Listen können Nutzer ihre Kontakte gruppieren; und diesen Gruppen jeweils erlauben, Post oder Fotos sehen zu dürfen, die sie veröffentlichen.

In meiner beruflichen Karriere gab es nur wenige Momente, in denen ich nicht (mehr) hinter der Firma stand, für die ich tätig war. Sobald ich das bemerkte, fand ich neue berufliche Optionen. Denn als Journalistin, als PR-Mitarbeiterin oder Consultant ist es meines Erachtens wichtig hinter dem zu stehen, was wir beruflich tun. Insofern war und bin ich gerne sichtbar für die Unternehmen, für die ich arbeite.

Da fällt mir wieder ein, wie eng die Berufswelt mit dem Privatleben lange Zeit verwoben war. Denken wir an viele unserer Nachnamen, dann weisen diese noch oft auf Berufe hin: Bäcker, Bauer, Fischer, Müller, Sattler, Schuhmacher, Schneider, Weber – um nur einige Beispiele zu nennen. Und wer in diesen Kleinbetrieben mitarbeitete, lebte oft gleichzeitig miteinander. Erst im Zuge der Industrialisierung entwickelte sich dann die Trennung von Beruf und Privatleben. Die abhängige Beschäftigung bringt den Lohn, mit dem Freizeit und Familie finanziert werden.

Zitat Kierkegaard

Trotz abhängiger Beschäftigung: In vielen Betrieben waren und sind die Mitarbeiter stolz, für ihr Unternehmen zu arbeiten. So eine Identifikation kann nicht von der Chefetage, den Marketing- oder gar Social Media-Verantwortlichen eingefordert werden. Sie baut sich aus freien Stücken auf. Neben dem Klima und Bedingungen am Arbeitsplatz hat darauf die Art, wie sich die Firma, ihre internen Abteilungsleitungen sowie und ihre außen sichtbaren Köpfe verhalten, genauso Einfluss.

Interessanterweise lese ich in der Gallup-Studie Engagement Index 2015*, dass viele Beschäftigte durchaus mit ihrem Berufsleben zufrieden sind:

  • Angenommen Sie würden so viel Geld erben, dass Sie nicht mehr arbeiten bräuchten, würden Sie Ihrer Arbeit dann weiterhin nachgehen oder würden Sie Ihrer Arbeit nicht weiter nachgehen?
    74 Prozent antworteten mit „Weiter arbeiten“.
  • Wenn Sie morgens aufstehen und an die Arbeit denken, freuen Sie sich dann auf den Tag oder auf den Feierabend?
    66 Prozent kreuzten „Auf den Tag freuen“ an.
  • wie zufrieden sind Sie insgesamt damit, bei Ihrer Firma zu arbeiten?
    73 Prozenten gaben ihrer Zufriedenheit 5 Punkte, was „äußerst zufrieden“ bedeutete.

(Basis: Arbeitnehmer/innen ab 18 Jahre in der Bundesrepublik Deutschland)

Ich wage zu behaupten: Zufriedene Mitarbeiter haben kein Problem, sich öffentlich zu ihrer Firma zu „bekennen“. In einer meiner Firmen war es so, dass die Kolleg/inn/en am liebsten jeden Tag die Polo-Shirts mit Logo getragen hätten, die wir für Events und Messen produzierten. Im Social Media-Umfeld berichtet Uwe Knaus zum Daimler-Blog ein ähnliches Phänomen:

„Die Beiträge [im Daimler-Blog] sind fast durchweg in einer positiven Grundstimmung geschrieben und enthalten nur wenig Kritik. Aber nicht, weil jemand Einfluss auf die Texte nimmt, sondern, weil zufriedenere Mitarbeiter eher bloggen als unzufriedene. Die meisten Beiträge landen bei uns, weil der Autor etwas Tolles erlebt hat. Nach außen wollen die Mitarbeiter eher etwas Positives verbreiten. Wenn jemand ein Problem hat, dann regelt er das mit seinem Vorgesetzten und trägt das nicht über das Blog in die Öffentlichkeit.“
Uwe Knaus / Daimler im Medianauten-Interview http://medianauten.net/daimler-corporate-blog

Plädoyer für mehr Mensch im Beruf

Sicherlich, je nach Stress-Pegel im Job wird der Wunsch nach abruptem Fallenlassen sobald das Privatleben beginnt groß. Auf die Dauer ergibt sich hier ein Spagat, der für die Beschäftigten nicht gesund sein kann. Und ja, es ist eine Herausforderung als bekanntes Gesicht einer Firma das Gefühl zu haben sich nie „gehen lassen“ zu können.

Die positive Wirkung ist, dass wir als Menschen wahrgenommen werden, nicht als Firmenfassade. Ständige „wir“-Formulierungen in der Kommunikation eines Einzelpersonen-Startups klingen übrigens genauso wenig authentisch. Menschen kaufen bei Menschen, weil sie Vertrauen aufbauen zu dieser Person. Ich empfinde es nach vielen Jahren der polierten Industriefassaden eine Wohltat, dass wir wieder mit anderen Menschen geschäftlichen Kontakt haben, die wir durch Social Media etwas persönlicher kennen lernen können.

* siehe Präsentation zum Gallup Engagement Index Deutschland 2015

Doris Schuppe • Dieser Beitrag Beruflich und privat im Social Web erschien zuerst im Blog DoSchu.Com

Fotos: DoSchu / DoSchu.Com
Hinweis: Es bestehen außer zur Akademie der Bayerischen Presse keine geschäftlichen Verbindungen zu den erwähnten Unternehmen.

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