Dialemma: Social Bots

Sie starteten als etwas Nützliches, etwas Bereichernderes, etwas Praktisches: Bots. Inzwischen gehört zur digitalen Medienkompetenz dazu, ein automatisch geführtes Profil im Social Web zu erkennen. Auch so ein Dialemma.
social bots Illustration blog

Dabei kann ein automatisches Profil sehr schöne Dinge tun. Seit einigen Jahren erfreut der Douglas Adams Bot als Hommage an den großartigen Autoren von „The Hithchiker’s Guide To The Galaxy“ mit Zitaten. Bots, die nach bestimmten Begriffen suchen und uns Informationen dazu liefern, wie der GOTbot: Via Facebook Messenger beantwortet der Chat-Bot Fragen rund um die TV-Serie Game of Thrones.

Und Chat-Bots wie Novi oder Resi, die mit neuen Formen der News-Versorgung experimentieren und uns persönlicher zum Weltgeschehen informieren.

Bots mit Profil: „Social Bots“

Wenn solche Bots mit Profil in Social Media-Plattformen wie Facebook oder Twitter wie menschliche Nutzer aktiv werden um mit anderen Menschen zu interagieren, werden sie Social Bots genannt. Diese Social Bots reagieren auf Stichworte und posten als Dialogantwort dazu passende Texte, die zuvor in Datenbanken hinterlegt wurden.

Genauso ahmen andere Social Bots die Empfehlungen von Menschen in diesen Netzwerken nach und empfehlen automatisiert die Posts bestimmter Profile, deren Autorität sie stärken sollen.

Was ist daran – aktuell hinsichtlich der anstehenden Bundestagswahlen – problematisch:

Der negative Effekt der Social Bots: Sie verzerren die Meinungsbildung und Diskussion der Twittergemeinde, sie können Falschnachrichten verbreiten und Beiträge in die Topliste der Twitter-Themen befördern, um sie ungerechtfertigter Weise wichtig erscheinen zu lassen. Es entsteht der Eindruck, dass viele Menschen darüber reden. Mittlerweile sind diese Social Bots so gut programmiert, dass sie kaum noch wie Bots der ersten Generation agieren, die massenweise und ohne Unterbrechung ihre Botschaften ins Web blasen.“
Von guten und schlechten Bots / br.de

Diese automatischen Profile im Social Web sind oft nur mit Recherche-Aufwand zu erkennen. Dieser Aufwand sollte es uns immer wert sein, bevor wir selber diese Inhalte an unsere Freunde, Bekannte und Kontakte weiterreichen (siehe Sharing is Caring im Social Web).

Bot Spotting Tipps

Gerade las ich einen sehr guten Beitrag von Ben Nimmo / Atlantic Council’s Digital Forensic Research Lab dazu. Er beschreibt 12 detaillierte Handreichungen, mit denen wir Social Bots entlarven können:

#BotSpot: Twelve Ways to Spot a Bot – Some tricks to identify fake Twitter accounts
Digital Forensic Research Lab (DFRlab) / medium.com

Der Fokus des DFRlab-Beitrags liegt auf Twitter, viele der Tipps können in ähnlicher Form auf anderen Plattformen angewendet werden. Denn auch in den beliebten Facebook Gruppen treffen NutzerInnen automatisch gesteuerte Profile an. Ich greife aus den zwölf Spot a Bot-Erkennungsmerkmalen diese m.E. wichtigsten und gut überprüfbaren Charakteristika heraus:

  • Profil-Namensgebung
  • Sprachfähigkeit
  • Profil-Aktivität
  • Verstärker-Funktion
  • Post-Resonanz
  • Serien-Content
  • Profil-Foto

illustration bot spotting tipps

Profil-Namensgebung

Ein erster Blick sollte immer dem Namen des Profils gelten. Unstimmigkeiten zwischen Kurzname und ausführlichem Namen beobachten: Automatisiert angelegte Profilnamen haben gerne viele Ziffern im Namen oder bestehen nur aus einem unleserlichen Ziffer- und Buchstabenmix.

Sieht der Name wie ein realer Name aus, dann darauf achten, ob das Profilfoto eine Frau, der Name jedoch für einen Mann steht. Manchmal werden zwei verschiedene Vor- und Nachnamen-Kombinationen als Profilname und Klarname angegeben.

Sprachfähigkeit

Wie viele Sprachen sprecht ihr denn so? Ok, und in wie vielen Sprachen fühlt ihr euch wohl zu twittern oder euch in Facebook-Gruppen zu engagieren?

Wenn ihr einen Account seht, der fliessend in deutscher, englischer, französischer, spanischer, russischer und japanischer Sprache postet oder Inhalte in diesen Sprachen empfiehlt – schaut genauer nach, ob ihr hier tatsächlich ein Sprachentalent kennenlernen dürft.

Profil-Aktivität

Wir können unsere Social Media-Profile mit verschiedenen Tools mit Inhalten versorgen. Wie menschlich kommt euch ein Profil vor, dass nahezu ständig etwas postet? Auf Twitter könnt ihr im Profil nachschauen, wann das Profil eingerichtet wurde und wie viele Tweets veröffentlicht wurden. Berechnet wie viele Posts pro Tag publiziert werden…

Für das DFRLab sieht ein Twitter-Profil mit 72 Tweets pro Tag als verdächtig nach einem Bot aus; mehr als 144 Tweets pro Tag machen ein Profil sehr verdächtig.

Verstärker-Funktion

sharing is caringDurch ihre Funktion als Verstärker von bestimmten Inhalten verraten sich viele Bots auf Twitter durch ihre vielen Retweets, „likes“ und Zitate. Schaut euch auf Twitter die Spalte „Tweets und Antworten“ an: Wenn hier vorwiegend andere Inhalte weitergeleitet werden, wenige bis gar keine eigene Updates auftauchen und auch keine Dialoge mit anderen NutzerInnen geführt werden, ist es entweder ein sehr sehr schweigsamer Mensch – oder ein automatisch handelndes Profil.

Post-Resonanz

Erinnert euch an die Zeit, als ihr euer Profil angelegt habt. Wie rasch habt ihr 100 Abonnenten, Follower oder Fans erreicht? Ging es ganz schnell, dass ihr auf Posts enorm viele „likes“ bekommen habt und eure Inhalte weiterempfohlen wurden?

Genau daran erkennt ihr Profile, die mit automatischen Mitteln in einem so genannten Botnet – einem Netzwerk von Bots – gegenseitig ihre Inhalte verstärken. Mit wenigen Tweets enorme Rückmeldungen und Weiterleitungen erhalten, das könnt ihr bestenfalls bei Berühmtheiten beobachten.

Serien-Content

Wenn ihr verschiedene Profile betrachtet, die wahrscheinlich zu solch einem eben skizzierten Botnet gehören, fällt auf, dass sie alle den gleichen Inhalt verbreiten. Zu gleichen Zeitpunkten posten sie die gleichen Links, Fotos oder Inhalte. Daher seht ihr auch identische Serien aufeinanderfolgender Posts in diesen unterschiedlichen Profilen. Das ist kein Zufall, das ist so synchron programmiert.

Profil-Foto

Es ist heute so einfach digitale Fotos zu entführen und in komplett anderem Zusammenhang einzusetzen. Für Social Bots werden die Profile gerne mit Portraitfotos aus Bilddatenbanken oder aus Profilen realer Personen verziert. Oft wird in den Botnets ein Bild auf vielzähligen Profilseiten als Foto des/der Nutzer/in hergenommen.

So könnt ihr prüfen, ob das Foto zur Person gehört: Im Browser Google Chrome startet ihr durch Klick mit der rechten Maustaste auf das Bild und Auswahl von „Mit Google nach Bild suchen“ die Suche, wo das Portrait sonst noch verwendet wird. In anderen Browsern per Rechtsklick die „Adresse des Bilds kopieren“ und diese dann in der Suchmaschine für die Image-Search eintragen.

Fazit

Solche Profile, die teils automatisiert teils von Menschen gesteuert werden, können euch auch in Facebook-Gruppen begegnen. Augen auf wem ihr da so auf den Leim geht.

What is most important, however, is awareness. Users who can identify bots themselves are less likely to be manipulated by them; they may even be able to report the botnets and have them shut down. Ultimately, bots exist to influence human users. The purpose of this article is to help human users spot the signs.
Digital Forensic Research Lab (DFRlab) / medium.com

Das Wichtigste sind das Bewusstsein und die Aufmerksamkeit: Social Media-Nutzende, die Bots identifizieren können, sind weniger anfällig dafür von diesen manipuliert zu werden. Mehr noch: Durch die Meldefunktionen der Plattformen können alle mithelfen, diese abzuschalten.

Social Bots: Links zur Vertiefung

Beispiele für Bots mit guten Absichten

Botometer Screenshot Beispiel Check

Check Twitter-Profil @RegSprecher mit Botometer

Interessante Ausführungen / Tools zu Social Bots

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