Collaborative Writing: der Plan

Teil 1 • Lerntagebuch #moocamp20

Aus der Lerngruppe des Corporate Learning MOOCamp 2020 bildete sich ein 9-köpfiges Team heraus, das zur Dokumentation der Erkenntnisse ein Buch geschrieben hat. Genauer gesagt ein eBook. Welche Tools haben wir gewählt für die Zusammenarbeit, welche Herausforderungen gingen wir an – darum geht es in diesem ersten Blogbeitrag aus meiner Blogserie Collaborative Writing.

Online Collaboration DoSchu

Doris Schuppe • Dieser Beitrag Collaborative Writing: der Plan erschien zuerst im Blog DoSchu.Com. Teil 1 der Serie Collaborative Writing.


„Kannst du euren Weg zum gemeinsamen eBook bitte im Blog notieren“, bat mich eine Bekannte. Zusammen an einem Buch schreiben fasziniert offensichtlich einige Menschen. Verständlich: Es ist so ein bisschen wie Coworking. Wenn am Nachbartisch jemand arbeitet, dann fällt mir das Arbeiten auch leichter. In punkto Buchschreiben spüre ich das jede Woche im Online Schreibtreff der webgrrls, wo wir uns für eine gute Stunde gemeinsam an den virtuellen Schreibtisch setzen. Wer also für ähnlich gelagerte Projekte ein passendes Collaborative Writing-Setup sucht, bitte weiterlesen.

Herausforderung Schreibkollektiv

Bisher war ich schon an Schreib-Projekten mit mehreren Autor:innen beteiligt. So zum Beispiel für das Buch „SEO & Social Media im Einsatz“, das 10 Blickwinkel aus der Praxis auf das Thema werfen lässt. Dieses Mal war es aber ganz anders, denn es wurden keine abgeschlossenen Kapitel quasi nebeneinander geschrieben.

In der Lerngruppe „Von Analog zu Digital“ MOOCamp 2020 brachten wir vielmehr im Team die Erkenntnisse aus unseren verschiedenen Arbeitsgruppen gemeinsam in eine Zusammenschau. Das bedeutet:

  • Die Struktur und Seitenaufgliederung der Kapitel müssen harmonieren.
  • Es braucht einen im gewissen Rahmen ähnlichen Stil für hohe Lesefreundlichkeit.
  • Und all das bedeutet: jede Menge Abstimmung untereinander.

Eine große Herausforderung war für uns zudem das Zeitbudget, das die Einzelnen einbringen konnten. Gestartet in Corona-Quarantäne-Zeiten setzte bei einigen von uns dankenswerterweise wieder ein gewisser Präsenzseminar-Alltag ein. Nicht zu vergessen der Beginn der Feriensaison in einigen Bundesländern – unser Team war von Hamburg, Nordrhein-Westfalen, München, über die Schweiz bis nach Mallorca verteilt. Das verlangsamte in der Endphase die Abstimmungen oder das finale Korrektorat. Wir hatten es in der Planung schon vorhergesehen und gingen dann nur mit einer Woche Verzug live.

Lerntagebuch #moocamp20

Nicht zu unterschätzen sind auch die starken Persönlichkeiten, die unser Team von Dozent:innen, Seminarleiter:innen und Trainer:innen ausmachen. Alle mit unterschiedlichen Erfahrungen und Arbeitssituationen, niemand kannte sich vor der Zusammenarbeit. Entsprechend kraftvoll geführte Diskussionen über Annahmen und Umsetzungen. Für die von uns zusammengestellte Sammlung ein enorm wertvolles Potenzial: So entstand ein Buch, das aus verschiedenen Perspektiven erfolgreiche interaktive Workshop-Methoden vorschlägt, die mit unserer Anleitung online funktionieren. Dazu probierten wir jede Menge aus und dokumentierten ausgewählte Learnings in kompakter Form, um sie anderen zur Verfügung zu stellen.

MindMap eBook Von Anlog zu Digital

In einem MindMap habe ich unseren Weg zum eBook zusammengefasst. Es beginnt rechts oben mit dem Corporate Learning MOOCamp 2020, in dem sich unsere Lerngruppe „Von Analog zu Digital“ zufällig fand. Darin arbeiteten ungefähr 12 gemeinsam daran, Methoden zu sammeln, zu evaluieren, auszuprobieren.

Unsere Recherchen und Erkenntnisse gliederten wir nach den Phasen eines Seminars nach dem IRIVE-Modell von Elvira Pfann (Icebreaker – Ressourcen – Informieren – Verarbeiten – Evaluieren) und spendierten zwei weitere Rubriken, die Aktivierungs-Pausen sowie phasenübergreifenden Erfolgsfaktoren (links oben im MindMap). Nach den verschiedenen Schritten rund um das eBook spiegelt am Ende der Tool Talk im MindMap den wesentlichen Teil unserer eingesetzten Tool-Landschaft wider.

MindMap eBook Prozess Von Analog zu Digital / MOOCamp 2020

Collaborative Writing: Tool-Auswahl

Für unser Lerngruppen-Projekt gingen wir in die Auswahl der passenden Tools mit folgenden Vorgaben:

  • Alle schreiben an dem Buch.
  • Wenn möglich nutzen wir Skizzen für mehr Verständlichkeit.
  • Das Werk soll auch optisch ansprechend sein (keine Bleiwüste).
  • Alle lektorieren das Buch.
  • Als Ausgabeformat wünschen wir ePub & PDF.

Grafisch gestaltet und ePub-Format – eine spannende Thematik! Wird ein schön gestaltetes eBook in das Kindle-Format (.mobi) umgewandelt, werden zu einer Grafik kombinierte Text- und Bild-Elemente auseinander genommen und in ungeordneter Weise hintereinander angezeigt. Da wir wie oben geschrieben, alle am Dokument schreiben wollten, haben wir uns so zu den verschiedenen Optionen entschieden:

• Google Docs

Prima: Es kann wunderbar parallel am gemeinsamen Dokument in Google geschrieben werden. Das Dokument kann im ePub- sowie PDF-Format heruntergeladen werden. Aber: Es störten uns die begrenzten Gestaltungsoptionen. Und wenn sich etwas verändert auf einer Seite im Layout – besonders wenn Abbildungen ergänzt werden – verschiebt sich gerne erstmal jede Menge im gesamten Werk. Bei 9 enthusiastischen Köch:innen am Topf ist da viel nachzuverfolgen.

• PowerPoint / Google Slides

Mit einer schön gestalteten Vorlage stellte ich mir vor, dass wir in den Gruppen jeweils ein PowerPoint erstellen oder gemeinsam an einem Google Slides Dokument arbeiten. Nun, sowohl die Folien aus Seattle als auch aus Mountain View können nur als PDF gespeichert werden. Bieten die Google Docs zum Beispiel an, Dokumente auch im ePub-Format zu speichern, fehlt diese Option bei gestalteten Dokumenten mit Google Slides.

Dazu gesellte sich der Fakt, dass wir ja alle zu unterschiedlichen Zeiten arbeiten und auch innerhalb der Teams die gemeinsame Zeit sehr begrenzt war. Diese kostbare Zeit wurde vornehmlich zur Abstimmung genutzt, zusammen an einem statischen PowerPoint zu arbeiten – nicht machbar.

• Book Creator

„Ich habe da ein wunderbares Tool gesehen, mit dem es im Unterricht möglich ist, alle gemeinsam an einem Buch schreiben zu lassen“, schwärmte Elvira während einer Videokonferenz unserer Lerngruppe. Das Online-Tool nennt sich Book Creator, und ja, es ist tatsächlich sehr spannend, wenn mehrere Köpfe an einem Buch wirken.

Am besten spielt Book Creator seine Möglichkeiten aus, wenn den Mit-Autor:innen völlige Freiheit in der Gestaltung gelassen wird. Zum Beispiel wenn eine Gruppe wie eine Biologie-Schulklasse zu einem Thema möglichst viele unterschiedliche Facetten zusammentragen will.

Unser Gruppen-Ansatz war jedoch, die von uns gesammelten und ausgewählten Methoden-Perlen im Buch in einheitlicher Form vorzustellen. In der peniblen Einhaltung von Vorgaben ist das Tool weniger die Nummer 1, hier steht Kreativität mit wenig Korsett im Fokus. Im selben Dokument arbeiten kann auch zu versehentlichem Löschen einer Seite führen. Eine gelöschte Seite ist und bleibt jedoch gelöscht, da gibt es kein Backup – gefährlich für die Zusammenarbeit. Dazu beklagten wir in unserer Testphase einige versehentliche Seitenverluste beim Speichern, das wollten wir uns als Team nicht zumuten. (Es gab über einige Tage Server-Auslastungs-Probleme, die zu Speicherproblemen führen. Das Phänomen zeigte sich dann in Folge zu keinem Zeitpunkt mehr.)

Unser Collaborative Writing-Setup

Schließlich einigten wir uns auf dieses Setup zur Koordination der Autor:innen und Umsetzung des Gesamtwerks:

  • Slack :: ist weiterhin unsere asynchrone Kommunikationszentrale.
  • Zoom :: ist weiterhin die erste Wahl für unsere wöchentlichen Abstimmungs-Runden, da wir hier alle Teilnehmenden sehen können und so schnell entscheiden können durch „Zuwinken“.
  • Trello :: nahmen wir für die Projektplanung rund um das Buch hinzu, da einige bereits über Erfahrung damit verfügen. Hier war der Kalender für die Terminplanung sehr nützlich; mit farbigen Labels war rasch erkennbar, wo Bedarf für das Engagement bestand.
  • Google Docs :: wählten wir für die Sammlung der Texte zur Vorstellung der Methoden-Perlen sowie für alle Erläuterungen, die rundherum im Buch veröffentlicht werden (Rahmentexte; das Dokument wurde im Laufe des Buchprojektes immer größer). Zwei Dokumente, für alle in paralleler Nutzung. In diesen Dokumenten fand auch das Kürzen und Lektorieren der Inhalte statt.
  • Book Creator :: war unser finales Gestaltungs-Tool, in dem vornehmlich zwei „Eingeweihte“ die diskutierten und lektorierten Texte einfügten sowie die Sketchnotes von Hannelore Fritz dazu illustrierten. Das Tool erlaubt den Blick in die laufende Arbeit des eBooks, so dass wir die Korrektorat-Schleifen mit der Online-Ansicht umsetzten.

Damit wir mit mehr Genauigkeit arbeiten konnten, wo Book Creator eher viel kreatives Chaos vorschlägt, verschaffte ich mir vertiefende Kenntnisse und Sicherheit im Umgang mit dem Tool. So absolvierte ich den Online-Kurs zum Book Creator Certified Author und gestaltete ein eigenes eBook als „Gesellinnenstück“ (Einfach Digitalien: Online Meeting Moderation). Zu dem Tool folgt im dritten Teil der Serie eine genauere Betrachtung inklusive Mini-Tutorial.

Soweit zum Plan – weiter geht es im Teil 2 der Serie! Collaborative Writing: das Buch.


Illustration: DoSchu mit Canva.com; MindMap mit SimpleMind

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