Keine Angst vor leerer Agenda: Barcamp im Unternehmenseinsatz

Sessionwand mit Fuchs (#ruvday) Foto: DoSchuOb sich die drei parallelen Slots zum Thema „Social Media im Verbund“ mit Session-Angeboten füllen werden? Kein Problem: Obwohl es letzte Woche Donnerstag kein offenes Barcamp war, die mehr als 40 Social Media-aktiven TeilnehmerInnen aus Volksbanken, Raiffeisenbanken und weiteren Unternehmen des genossenschaftlichen FinanzVerbundes hatten Themen und Diskussionsbedarf genug.

Was ist ein Barcamp?

Barcamps werden von Enthusiasten für Enthusiasten organisiert, die in einer offenen Umgebung lernen und Wissen weitergeben möchten. Es gibt keine Planung im Vorfeld, keine Einladungen und keine festen Redner. Sessions werden nach einer kurzen Einführungsrunde, bei der sich jeder kurz vorstellt und drei Tags gibt, abgestimmt.

Franz Patzig / Was ist eigentlich BarCamp?

Barcampen bei der RUV

Bereits zum zweiten Mal wurde das Format der „Unkonferenz“ genutzt, damit die in Social Media Aktiven aus den diversen Instituten des Verbands voneinander lernen und Ideen austauschen können. Nicht alle starteten gleichzeitig ihr Engagement im Social Web, so dass eine gute Mischung von verschiedenen Erfahrungsstufen am Wiesbadener Raiffeisenplatz 1 bei der R+V Versicherung zusammen traf.

Entsprechend variierten die Sessions von Einstiegs-Themen à la „Wie begeistere ich Mitarbeiter für das Web 2.0„, oder Optionen des Social Web für das Recruiting bis zu konkreten Herausforderungen wie beispielsweise Weblogs der Verbandsunternehmen mit kritischen Kommentare aus der Leserschaft umgehen.

Geschickt haben die gastgebenden Versicherer R+V und R+V24 es verstanden, die Diskussion nicht nur im überschaubaren Kreis der Barcamper zu belassen. Es wurden öffentlich auf dem Microblogging-Dienst Twitter Kommentare und Einschätzungen zu den Diskussionen und Vorträgen verfasst. Und wie von Barcamps gewohnt, gab es in den Vortragsräumen und an der Planungswand nebst Kaffee-Buffet so genannte Twitterwalls, die auch viele Feedbacks mitlesender Twitterati anzeigten.

Auf den großen Monitoren flimmerten die neuesten Twitter-Nachrichten, die mit dem Kürzel „#ruvday“ (Hash-Tag) gekennzeichnet waren. Sogar im Foyer des Versicherungsgebäudes stand eine Twitterwall, mit dem Effekt, dass viele andere Mitarbeiter im Hause mitbekamen, welche Diskussionen liefen. Fragen der Umstehenden, was Twitter wohl sei, wer da so eifrig die Statuszeilen fülle und was es mit diesem Haschtag (dt. Aussprache der Twitter-Stichworte Hash-Tag) auf sich habe, regten Gespräche mit den Veranstaltern des Barcamps an. Ein cleverer Schachzug, der hilft Social Media im eigenen Unternehmen anschaulich und erlebbar zu machen.

Aus den Sessions des Geno-Barcamps

  • Die Bausparversicherer Schwäbisch Hall zeigten zum Bausparfuchs anschaulich, wie Storytelling funktioniert. Die Deutschlandtour des Maskottchens „Deutschland Schwäbisch Hall Land“ wird auf dem Reise-Weblog „Fuchsblog“ dokumentiert und Fragen und Anregungen beantwortet hier der Fuchs höchstpersönlich.
  • Auch „Spielverderber“ meldeten sich zu Wort ;) – es war schließlich kein Barcamp der uneingeschränkten Befürworter von Social Media im Bankenumfeld, Risiken und Nebenwirkungen wurden ausgiebig behandelt.
  • Schönes Zitat aus der Session der DZ Bank AG: „Built your network before you need it!“ (Walther Schönzart @w_schoenzart)
  • Rege Diskussionen in den Veranstaltungsräumen sowie via Twitter kam in der Session der Raiffeisenbank Lustenau auf: Hier gibt es aktuell Überlegungen, ob und wie Bankberater mit ihren privaten Profilen auf Facebook den Kundenkontakt pflegen könnten – direkt und ohne eine Art Firmenschutzschicht wie sie eine Facebook Seite sein kann. In kleineren Städten sind Mitarbeiter der ortsansässigen Bank schließlich genauso in realen Sportvereinen mit ihren Kundenkontakten verknüpft.
  • Wie verbindend ein Barcamp wirkt zeigte die Session „Was ist die Rolle des Rechenzentrums (RZ) in Social Media“. Die beiden Techniklieferanten der Volks- und Raiffeisenbanken (Fiducia und GAD) traten hier gemeinsam auf und loteten mit den Teilnehmern die Erwartungshaltungen der Banken aus.
  • Zur Ergänzung der Verbands-internen Sicht wurden auch externe Speaker eingeladen. Hier freute ich mich sehr, mit dem Themenangebot Social Games dabei sein zu dürfen. Was vielen nicht bewusst ist, 88 Prozent der Social Media-Nutzer in Deutschland spielen digitale Games…
    Social Games :: Session Geno-Barcamp 04.2011 (Slideshare)

Vorteile Barcamp-Format fürs Business

Für geschäftliche Events während der Arbeitszeit besteht stärker als für ein Wochenend-Barcamp der Druck, dass Mitarbeitern einen Nutzen aus der Veranstaltung ziehen. Daher sind Vorgesetzte misstrauisch, wenn es zu einer Unkonferenz keine Agenda im Vorfeld gibt. Es wird sie beruhigen, dass Unternehmens-Barcamps wie das Geno-Barcamp auf jeden Fall Weiterbildung und Know-how vermitteln:

  • Branchen- und Praxisbezug :: Da alle Anwesenden aus einem vergleichbaren Umfeld stammen, bringen sie Erfahrungen ein, die unmittelbar auf die eigene Aufgabenstellung übertragbar sind
  • Effizienz :: Durch das offene Format werden die Themen angesprochen und behandelt, die den Beteiligten wichtig sind.
  • Networking :: Selbst wenn alle Barcamper aus dem gleichen Unternehmen sind, werden ausserhalb der klassischen Strukturen und Hierarchien bestehende Kontakte inhaltlich vertieft sowie neue Vernetzungen in andere Bereiche und Abteilungen geschaffen
  • Innovation :: „Kochen im eigenen Saft“ bringt selten neue Aspekte, in einem halb-offenen Barcamp-Konzept erweitern Teilnehmer zum einen mit entfernten Kollegen aus anderen Unternehmensbereichen ihren Blick, externe Teilnehmer bringen Themen und die Sicht von aussen in Diskussionen ein.

Bei dem ganzen Social Media-Thema stellen wir immer wieder fest, wie wichtig es ist, über den Tellerrand zu schauen.

Suitbert Monz, R+V Social Media Manager, Bereich Vertrieb Onlinemarketing

Eine gelungene Veranstaltung! Vielen Dank für die Feedbacks zur Session Social Games u.a. von R+V Versicherung sowie Volksbank Bühl sowie an Klaus Eck, dass er mich als Referentin vorgeschlagen hat.

3 Feedbacks


  • Vielen Dank für Ihren Hinweis, ich habe die Passage im Beitrag entsprechend deutlicher formuliert. Herzliche Grüße, Doris Schuppe

  • Kleine Korrektur zum Artikel: In meiner Session (Berater Kunde Facebook) habe ich aktuelle Überlegungen zum Thema und eine mögliche Vorgangsweise präsentiert, die wird im Moment von uns aber (noch) nicht umgesetzt. Es gibt hier noch einigen Diskussions- und Planungsbedarf. Gruß aus Vorarlberg – Andreas Liebhart, Raiffeisenbank Lustenau