Neuland-Lounge – mit Klaus Eck

Illustration :: Neuland Lounge (Foto: WavebreakmediaMicro)„Wer liest das alles eigentlich?“ – kommentieren Beistehende oft das Geschehen in sozialen Netzwerken. Mehr als in digitalen Feedback-Auswertungen messbar ist, weiss ich aus eigener positiver Erfahrung. Genauso erlebt es auch Klaus Eck, der uns für die Neuland Lounge einen persönlichen Blick in seinen digitalen Lifestyle gewährt.

Obwohl wir beide in der überschaubaren Universitätsstadt Marburg studierten, sind wir dort aneinander vorbei gelaufen. Erst in München führten uns die Wege zusammen, als ich in der Pressestelle für CompuServe Deutschland tätig war: Klaus Eck gehörte zu meinen Journalistenkontakten. Mit Klaus treibe ich in München die Aktivitäten des lokalen Social Media Club Chapters voran. Und ich unterstütze gerne Projekte seiner Unternehmensberatung.

Über die Blogserie Neuland-Lounge
Für die einen ist es „Neuland“, für andere bereits eine vertraute Heimat: Internet und inzwischen Social Media-Plattformen wie Facebook und Xing. Kindern erklärte bereits 1999 die Sendung mit der Maus im WDR-Fernsehen, wie das Internet funktioniert. In dieser Serie stellen Interviewpartner ihre Reise nach Digitalien und durch Digitalistan unter persönlichem Blickwinkel vor.

Klaus Eck - Eck Consulting Group

Kurzportrait Klaus Eck
#prblogger #digitalbusiness #unternehmensberater
Als Geschäftsführer der Eck Consulting Group unterstützt Klaus Eck seit rund 15 Jahren Firmen bei der Digitalisierung ihrer Unternehmens-, Marketing- und Kommunikationsprozesse. Dazu gehört auch die Optimierung ihrer Online-Reputation oder ihres strategischen Social-Media-Engagements.
Klaus Eck, Eck Consulting Group / Twitter / Facebook / Google+ / Xing

Seit welchem Jahr bist Du online? Wie kam es dazu, was waren die Anfänge (privat oder beruflich)?

Klaus Eck: Meine ersten Begegnungen der Dritten Art hatte ich 1986 in Marburg. In einem Studentendorf lernte ich meinen ersten Nerd kennen. Er hatte eine damals noch nicht modische Hornbrille auf, führte mich in sein immer komplett verdunkeltes 10 qm-Zimmer und zeigte mir sein Heiligtum: seinen PC. Er hat sich als einer der ersten deutschen Studenten in die Uninetze der Welt gehackt. Das hat er mir damals gezeigt und damit meine Begeisterung für das Internet geweckt. Dennoch bin ich selbst erst 1989/1990 in Berliner Clubs ins Internet gegangen, um zu chatten. 

Ab 1993 konnte ich von zuhause online gehen und habe das seitdem immer exzessiv genutzt. Fidonet, CompuServe, Btx, AOL und MSN gehörten zu meinen ersten Stationen. Mein Know-how konnte ich als Produktmanager von Loseblattsammlungen 1995 gut gebrauchen. Damals gehörten Tim Cole und Joachim Graf zu meinen Autoren. Den Plan, als Verlag mit Paid Content à la Loseblatt Geld zu verdienen, habe ich (nicht nur) in diesem Segment schnell aufgegeben.

Anschließend habe ich mich 1997/1998 mit dem Digital Business als Redakteur und Online-Chef bei der Zeitschrift Global Online (Computerwoche Verlag) beschäftigt und bin jeden Tag mindestens 12 Stunden im Netz unterwegs gewesen. Seit damals nutze ich Instant Messenger (ICQ) in der Arbeit und privat.

Global Online – das war dann ja auch der Moment, wo sich unsere beruflichen Schritte erstmalig kreuzten. Was bedeutet für Dich „digitales Leben und Arbeiten“ konkret?

Klaus Eck: Privatheit und BloggenKlaus Eck: Zunächst einmal bloggen. 1999 habe ich ein anonymes Blog ein halbes Jahr lang geführt, besser gesagt ein persönliches Online-Tagebuch. In meinem ersten Beitrag lautete damals mein Thema „digitale Identität“. Je mehr ich über eher private Dinge gebloggt habe, desto mehr habe ich auch über andere Menschen aus meinem privaten und Arbeitsumfeld „verraten“. Das nahm schnell überhand und stieß gerade deshalb auf positives Feedback. 

Heute respektiere ich diejenigen, die nicht gerne etwas Privates online stellen. Ich verzichte lieber darauf ein Foto von unserer Familie online zu stellen. Das geht nicht immer jeden etwas an und interessiert viele ohnehin nicht. 

Seit 2004 gebe ich den PR-Blogger heraus, der in diesem Jahr 9 Jahre alt wird. Anfangs habe ich darin viele Beiträge alleine verfasst, inzwischen bin ich dem Autorenteam dankbar, mit dem wir digitale Kommunikationsthemen in all seinen Facetten erschließen. 

Als PR-Blogger konnte ich mich frühzeitig mit dem Neuland Internet auseinandersetzen und erhielt mehrere Buchverträge. In meinem ersten Buch stellte ich Anfang 2007 Corporate Blogs vor, in den beiden späteren setzte ich mich mit dem aktiven Reputation Management und der Transparenzgesellschaft auseinander.

Mein digitales Leben ist wenig privat. Ich sehe darin immer auch eine Art Identitätsmanagement. Jeder muss sich darüber im Klaren sein, welche Rolle er/sie im Leben spielen will und diese in gewisser Weise online repräsentieren. 

Meine Arbeit als Unternehmensberater für Digital Business bringt es mit sich, dass ich auf meine Online-Aktivitäten angewiesen bin. Ich pflege mein Netzwerk über Facebook, Xing, LinkedIn und Twitter und betreibe darüber auch Personal Branding und Reputation-Management in eigener Sache.Klaus Eck: eigene Rolle online repräsentieren

Darüber hinaus darf jeder sehen, welche Bücher ich auf Goodreads stelle und lese, wo ich mit der Bahn in Deutschland unterwegs bin, in welchen Restaurants und Hotel ich bin sowie Impressionen (Instagram) mir so gefallen.

Als Digital Resident fühle ich mich wohl in Digitalien und nutze dessen Errungenschaften unterwegs auf dem S4 von Samsung und dem iPad. Musik beziehe ich über eine Flatrate bei Simfy, Videos via Lovefilm. Bücher wandern bei mir inzwischen ebenfalls ins Digitale. Mein Kindle Paperwhite mag ich lieber als Taschenbücher.

Was begeistert Dich am meisten an Internet, Social Media, Mobile Web?

Klaus Eck: Als Networker begeistert es mich, wie leicht und nachhaltig sich online Beziehungen aufbauen und pflegen lassen. Wissensmanagement fasziniert mich seit den frühen 90er Jahren, in denen ich erstmals mit dem Tagging in Berührung kam. Als Diplom Politikwissenschaftler habe ich in einem Institut für Arbeitsmigration und bei der Berliner Ausländerbeauftragten Printtexte wissenschaftlich in einer Datenbank erfassen und indexieren dürfen.

Nichts anderes mache ich heute, wenn ich Tweets, Google+ und Facebook-Updates tagge oder meinen digitalen Lesestoff bookmarke und online verteile. Das ist gerade in Enterprise 2.0 Projekte sehr spannend.

Eine interessante Parallele – ich habe anno dazumal mit der Verschlagwortung für meine Programmierung einer wissenschaftlichen Expertendatenbank den Nutzen des Tagging entdeckt. Welches Gerät (Laptop, Smartphone, 3D-Drucker…) hat Deine Art zu arbeiten am meisten verändert, verbessert oder gar revolutioniert?

Am meisten verändert hat sich in der Arbeit für mich durch mein iPad. Damit arbeite ich inzwischen oft, wenn ich unterwegs bin. Ich habe es von morgens bis abends fast immer dabei. Es ersetzt in großen Teilen mein Notebook. Im Privaten ist das Kindle Paperwhite dabei, meine Printwelt auf den Kopf zu stellen. Ich bevorzuge immer häufiger die digitale Lektüre und habe meinen Taschenbuchkonsum extrem reduziert, während ich allein im vergangenen Jahr rund 80 Bücher als E-Book gekauft habe.

Welches besondere Erlebnis fällt Dir zur Web-Nutzung ein?

Klaus Eck: Es gibt viele Beispiele, die deutlich machen, wie sehr unsere Online-Aktivitäten wahrgenommen werden. Wir merken es oft gar nicht, wenn wir twittern oder facebooken. Tatsächlich wird das gelesen. 

Klaus Eck: Online Aktivitäten werden wahrgenommenDas habe ich einmal erfahren als ich auf der Bahnfahrt von München nach Nürnberg viele Stunden in einem Tunnel feststeckte. Ich nutzte diese Zeit, um über dieses Erlebnis aktiv online in Echtzeit zu berichten, bis ich mit einem entsprechenden Foto wieder „Licht am Ende des Tunnels“ sah. Auf meine zahlreichen Tweets und Facebook-Kommentare bin ich noch wochenlang angesprochen worden. Man kennt mich vermutlich als vielfahrenden Bahnfahrer…

In der Tat! Welchen Rat gibst Du neuen Online-Entdeckern mit auf die Reise durch Digitalien? Empfiehlst Du eine „ultimative“ Smartphone-App oder ein unbedingt zu abonnierendes Blog?

Klaus Eck: Die Smartphone-App Zite ist eine meiner Lieblings-Apps, weil sich darüber viele neue und unbekannte Blogs- und Medienquellen nach dem eigenen Nutzerverhalten erschließen lassen. Und natürlich Flipboard, weil ich darüber all meine RSS-Feeds, Twitter- und Facebook-Links erfassen und selbst kleine Wissensdossiers als Magazine kuratieren kann: flipboard.com/profile/klauseck.

Herzlichen Dank für Deinen persönlichen Reisebericht von der Urzeit bis zur Neuzeit Digitaliens!

Hier gibt es weitere Beiträge der Serie Neuland Lounge.

Doris Schuppe
Illustration mit Fotos von WavebreakmediaMicro / fotolia.com sowie DoSchu / DoSchu.Com.

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