Warum disruptive Innovationen?

zitatIn Deutschland sind Menschen weniger bereit, ihr Leben zu ändern, Neuerungen zu begrüßen, den Status quo in Frage zu stellen.(1) Dabei ist es wichtig, die Augen und Ohren nach Veränderung offen zu halten. Wir wären heute – trotz allem „Neuland“ – weit entfernt von Digitalien wenn der Zugang zu technologischen Lösungen auf eine kleine Gruppe beschränkt geblieben wäre. „Disruptive Innovations“(2) war jüngst Thema einer Tweet-Serie von Marc Andreesen mit lesenswerten Statements.

Zu einer Nischengruppe gehörte ich selber als ich mir bereits in den 1980er Jahren den kleinen, teuren Personal Computer gemeinsam mit einem Studienkollegen in günstigen Bauteilen kaufte. Die Geräte empfanden die weissbekittelten Mitarbeiter an den Grossrechnern der Uni sicher zunächst belustigend, dann bedrohlich, da ihr Wissen nicht mehr gefragt war. Wir wählten Kurse in der PC-orientierten Informatik statt mit Convex & Co.

“Eines sollte klar sein: Change happens, auch wenn man sich dagegen wehrt.”
Christoph Bauer im Interview „5 Antworten…“

Ähnlich verhielt es sich mit dem weltweiten Netz von Computern. Bereits in den späten 1980er Jahren erweiterte der Austausch mit anderen Computer-Begeisterten in anderen Städten via Mailbox-Netzwerk meine Kenntnisse. Schon damals überzeugte ich viele Technik-ferne Menschen davon, Computer oder das weltweite Rechnernetz für wissenschaftliche Recherchen oder Hausarbeiten einzuspannen.

Aus der Nische zur Masse

Das zeigte mir sehr deutlich: Für die Durchdringung des Alltags vieler Nutzer müssen Technologien, Produkte, Lösungen oder Dienstleistungen besonders anwenderfreundlich sein. Bevor Steve Jobs mit dem iPhone die Online-Nutzung via Mobiltelefon vereinfachte, stand ich mit komplexem Zugang zum Internet oder auch nur Mail-Postfach per Handy recht alleine da. Ein Leben ohne „always online“ kann sich mancher inzwischen nicht mehr vorstellen:

Und ja, ich liebe MyTaxi, denn ohne diese mobile App wären Taxi-Unternehmen heute noch à la „das haben wir schon immer so gemacht“ aufgestellt. Vulgo für mich als damaliger Nutzer: Warten in der Leitung der Telefonzentrale und anschließend verzweifelte Rückruf-Versuche in ebendieser Telefonzentrale, sollte das bestellte Taxi nicht auftauchen.

Disruptive Entwicklungen sollten jede Menge Nutzervorteile mit sich bringen. Genau in diese Richtung geht eine kurze Tweet-Serie vor einer Woche von Marc Andreesen, Mitgründer des Venture Capital Unternehmens Andreessen Horowitz in den USA.

pmarca Tweet Disruptive 02

Warum mir seine Tweets auffielen? Mit Marc Andreesen verbinde ich jede Menge persönliche Online-Geschichte. In der Online-Steinzeit nutzte ich den Web-Browser „Mosaic“, den Andreesen mit Eric Bina entwickelte. Die weitere Entwicklung geschah dann in der neu gegründeten Firma, die aufgrund von Namensrechten in Netscape Communications Corporation umbenannt wurde. Der Browser hörte fortan auf den Namen „Netscape Navigator“.

Das Netscape-Team am Münchner Standort kannte ich recht gut – mein Mann arbeitete dort Mitte der 1990er. Mir gefiel neben dem Produkt der Führungsstil – damals disruptiv, heute in einigen etablierten deutschen Unternehmen anzutreffen. Zum Beispiel der partizipative Zugang zu Wissen und Tools, die zuvor nur Vertretern der Unternehmensführung zur Verfügung standen.

Marc Andreesen Plädoyer für Veränderung

Disruptiv ist heute zu einem Standard-Accessoire der Startup-Prosa geworden. Daher erinnert Marc Andreesen (@pmarca) in seinen Tweets vom 2. Dezember 2014 daran, was tatsächlich mit dieser Beschreibung charakterisiert werden sollte:

1/Few intellectual concepts in our time have been mangled by observers more than Clay Christensen’s disruption idea. Some thoughts:

2/CC: „A disruptive innovation gives new consumers access to product historically only available to consumers with a lot of money or skill.“

3/CC: „Disruptors offer a different set of product attributes valued only in new markets remote from, and unimportant to, the mainstream.“

4/The key attribute of disruptive innovation is a new product for a previously underserved market–typically cheaper than existing product.

5/This is inherently pro-consumer: Disruptive innovation only works if customers buy it–and if they do, lives improved vs prior status quo.

6/Similar, disruptive innovation is only funded by investors who believe underserved market exists, customers will buy it, lives improved.

pmarca Tweet Disruptive 07

7/It’s a fabricated myth that disruptive innovation is about destruction: It’s about creation–new products, new choices, for more people.

8/Later, of course, new product often evolves to squarely take on incumbents serving established customers–cheaper & better for them too!

9/Disruptive innovation shrinks inequality, by bringing to lower-income consumers things that only richer consumers had access to before.

10/If you are reading this, many of the things you own that make your life better are the result of prior disruptive innovation.

11/Printing press disrupted books from scribes; recorded music disrupted live concerts in homes, washing machines disrupted live-in maids.

12/Rich people always had books, music, clean clothes, etc.; disruptive innovation made these things available to many more people.

13/In exact same way, sub-$50 smartphones as disruptive innovation to PCs bringing computing & Internet to far more people than status quo.

pmarca Tweet Disruptive 14

14/To be FOR disruption is to be FOR consumer choice, FOR more people bring served, and FOR shrinking inequality.

15/To be AGAINST disruption is to be AGAINST consumer choice, AGAINST more people bring served, and AGAINST shrinking inequality.

16/If we want to make the world a better and more equal place–the more Christensen-style disruption, and the faster, the better!

17/References: http://www.claytonchristensen.com/key-concepts/ http://www.amazon.com/Innovators-Dilemma-Revolutionary-Change-Business/dp/0062060244/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1417540336&sr=8-1&keywords=christensen+innovator%27s+dilemma http://www.businessweek.com/articles/2014-06-20/clayton-christensen-responds-to-new-yorker-takedown-of-disruptive-innovation

Disruptive und Social Web

In der Beratung, in Workshops oder Schulungen betone ich stets die Veränderlichkeit von Social Media: Zum einen die verschiedenen Plattformen an sich, zum anderen die Vorlieben der Nutzer für verschiedene Angebote im Social Web. So geht es im letzten Blogbeitrag Wohin geht die Reise um die Beliebtheit von Messenger Apps, die mehr und mehr Online-Zeit der Nutzer binden.

Wichtige Fragen (nicht nur) für das Social Web-Engagement:

  • Stellen wir heute schon unsere bestehenden und potenziellen Kunden in den Fokus?
  • Kann der Dialog mit ihnen näher an ihren Themen und Fragestellungen geführt werden?
  • Können Service-Leistungen an für sie relevanten Punkten verbessert werden?

Dann los, und die Herausforderung zur Veränderung für den Kunden annehmen!(3) „Zöpfe“ öffnen, neu flechten und neue Frisuren testen. Die gute Nachricht: Das sichert vielleicht das eigene berufliche Tätigkeitsfeld. Plus: Beständig Neues lernen und anwenden hält unser Hirn fit – ein wichtiger Punkt gegen Demenz im Alter.

(1) Siehe Uwe Schuricht in Meedia Der Abgrund zwischen analogen Managern und der digitalen Welt
(2) Zum Begriff siehe Was ist eine disruptive Innovation von Bernd Oestereich bei heise.de
(3) Das gilt übrigens nicht nur für Unternehmen: Wie ein aktueller Blogbeitrag von Matthias J. Lange zeigt, wird in Schulen die Vergangenheit trainiert, statt für die Gegenwart und Zukunft fit zu machen. Dazu passt auch die aktuelle Bitkom-Meldung IT-Ausstattung der Schulen wird immer schlechter

Doris Schuppe
Fotos: DoSchu / DoSchu.Com bzw. Screenshots Twitter.com

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